das kleine Konzert - Vox Nostra

JUBILUS INFINITUS _ Der unaufhörliche Jubel

Alleluia-Gesänge des Mittelalters und Uraufführung "Hallelujah" (2020) von Paul Amrod
Mit freundlicher Unterstützung des Kulturamtes Konstanz

Paul Amrod, der Klaviervirtuose und Komponist aus New York/Konstanz und das Berliner Vokalensemble Vox Nostra haben ein Programm erarbeitet, das traditionelle und zeitgenössische Alleluia-Kompositionen direkt gegenüberstellt. Im Zentrum steht die Uraufführung eines vierstimmigen “Hallelujah“ von Paul Amrod aus dem Jahr 2020.

Alleluia ist ein jüdisch-christlicher Freudengesang und geht auf das Hebräische hallelūiā – (lob)preiset Jah(we) zurück‘. Es setzt sich aus dem hebräischen Verb הַלְל‎ (halal) preisen, verherrlichen, ausrufen und יָהּ‎ (jāh), der Kurzform des Gottesnamens יהוה, (jāhṿe) zusammen. Den jubilierenden Charakter erhält diese Gesangsform durch ein Melisma (viele Noten auf einer Textsilbe) auf der Endsilbe Allelu-ia. Die Klänge symbolisieren die unaussprechliche Freude über die Größe, Güte und Unendlichkeit Gottes, die sich in langen Melodiebögen Ausdruck verleiht. Dieser abstrakt textlose und sich schier endlos ausbreitende Gesang wird auch mit dem Begriff Jubilus umschrieben und wird immer wieder in die Nähe der Glossolalie verortet.
Die Vielfalt mittelalterlicher Alleluia-Vertonungen und die davon abgeleiteten Gattungen wie Sequenzen, Prosulae und Tropen, die bis in das 10. Jahrhundert zurückreichen, werden hier innerhalb eines Programms im Zusammenhang und unmittelbarer Nähe zueinander klingend erfahrbar gemacht sowie zeitgenössischen Kompositionen gegenübergestellt.
Aus aktuellem Anlass hat das Berliner Vokalensemble VOX NOSTRA neben den Alleluia-Gesängen u.a. von Hildegard von Bingen (1098-1179) und Nikolai von Radom (1400-1450) auch Originalgesänge des Mittelalters ausgewählt, die einer „Messe gegen die Pest“ entnommen sind. Die erhoffte schnelle Beendigung der aktuellen Pestepidemie um das Jahr 1348 und die Vermeidung des eigenen Todes war das erklärte Ziel dieser Gesänge. Ihren Ursprung hat diese „PESTMESSE“ in Frankreich, als der damalige Papst Clemens VI. in seinem Papstpalast in Avignon von der großen Pestwelle überrascht wurde und traditionelle Gregorianische Gesänge für eine Messe zusammengestellt hat. Es erklingen im Konzert der Introitus Recordare domine, das Alleluia – Ostende nobis, das Offertorium Stetit pontifex und die Communio Multitudo languentium.

Neben den einstimmigen Gesängen werden auch mehrstimmige Kompositionen von Paul Amrod und des Spätmittelalters erklingen: das Kyrie eleison und das Agnus Dei aus der bekannten Tournai-Messe und das Sanctus – Laudes Deo aus dem schottischen Kloster St. Andrews.

Vokalensemble VOX NOSTRA (Berlin)
Winnie Brückner _ Sopran
Philipp Cieslewicz _ Countertenor
Burkard Wehner _ Tenor und musikalische Leitung
Tobias Hagge _ Baß
JUBILUS INFINITUS _ Programm


Alleluia – Vox nostra resonet
Komposition von Nikolaus von Radom um 1400 und Tropus aus Santiago de Compostela um 1150

Recordare testamenti tui
Introitus aus der Pestmesse von Papst Clemens VI., Avignon 1348

Transcendental beings - Teil I
Komposition von Paul Amrod für 4 Stimmen (2019)

Kyrie eleison
Bitte um Erbarmen aus der Mass de Tournai um 1360

Misit dominus
Graduale aus der Pestmesse von Papst Clemens VI., Avignon 1348

Transcendental beings - Teil II
Komposition von Paul Amrod für 4 Stimmen (2019)

Stetit pontifex iuxta mortuos
Offertorium aus der Pestmesse Pestmesse von Papst Clemens VI., Avignon 1348

Alleluia - O virga mediatrix
Komposition von Hildegard von Bingen (1098-1179)

Sanctus - Laudes Deo
Tropus zur Meßfeier aus dem schottischen Kloster St. Andrews um 1220

Alleluia – Ostende nobis domine
Messgesang aus der Pestmesse von Papst Clemens VI., Avignon 1348

Uraufführung: Hallelujah (2020)
Komposition von Paul Amrod für 4 Stimmen

Multitudo languentium
Communio aus der Pestmesse von Papst Clemens VI., Avignon 1348

Maria, unser frowe, was in goettlicher schowe
Gesang der Geißler beim Einzug in die Städte zur Zeit der großen Pest 1349

Agnus Dei, qui tollis peccata mundi
Mehrstimmiger Meßgesang aus der Mass de Tournai um 1360

Hallelujah
Komposition von Paul Amrod aus der "Oper der Stille" (Konzeption: Stephanie Roos)

Descende celitus, o sancte Spiritus
Anrufung des Heiligen Geistes aus der Kathedrale Notre-Dame de Paris um 1220

Über Paul Amrod


Paul Amrod begann 1963 Klavier zu studieren, schrieb seine ersten Songs und gründete eine Band mit seinem Bruder Willy Amrod. 4 Jahre später gründete er die Band “Brand XXX“, mit der er seinen ersten Plattenvertrag bekam. 1969 war er mit dieser Band im Vorprogramm für Janis Joplin und Paul Butterfield Band auf Tournee. Seine Beziehung zu Paul Butterfield prägte sein Pianospiel entscheidend.

1969 wurde er an der weltberühmten “Juilliard School of Music” aufgenommen, wo er später seinen Master-Abschluss in Dirigieren und Komposition absolvierte.
Die Ausbildung an der Juilliard School und der Kontakt zur Manhattan Jazz-Szene halfen ihm, seinen persönlichen Stil im Jazz und in der zeitgenössischen Musik zu entwickeln. Durch sein Studium bei Hall Overton entflammte seine immer noch lebendige Begeisterung von der Musik von Thelonious Monk (Hall war der Arrangeur von Thelonious). Hall Overton lehrte Paul auch das motivische Improvisieren.
Einige Zeit später studierte Paul bei Gil Evans. Gil schrieb die Referenz für den “National Endowment-Preis für Komposition und Arrangement”, den Paul im Jahr 1980 erhielt. Das Projekt “Living Time” mit Bill Evans wurde noch während des Studiums veröffentlicht.
1977 gründete Paul “The Paul Amrod Quartett” mit Buster Williams und Ken Hitchcock. 1977 bis 1981 spielte das Quartett regelmäßig in angesagten Klubs in New York wie Striker’s, The Village Gate, Boomer und The Other End.
Im Jahr 1981 zog Paul nach Deutschland und begann mit Jazz-Kursen und Workshops in verschiedenen Institutionen. Er tourte als Solopianist durch die europäischen Klubs und spielte dabei auf vielen Jazz-Festivals.
Seit vielen Jahren präsentiert er “Die Geschichte des Jazz-Klaviers”.
Im Jahr 1992 ist er an den Bodensee gezogen. In Konstanz gründete er die Band “Purple Elephant” und verwirklichte eine CD, die 12 Blues Stücke präsentiert.
Seit 2002 hatte er in verschiedenen Inszenierungen des Stadttheaters Konstanz die musikalische Leitung inne und arbeitet als Dirigent, Pianist und Gesangslehrer mit SchauspielerInnen.
Paul Amrod veröffentlicht 2011 ein eigene Harmonielehre (Vorträge über seine Arbeit an der Wiener Kunst Akademie, der Würzburger Musik Hochschule und der Mannheimer Hochschule).

Nähere Infos unter www.amrod.de
Vokalensemble VOX NOSTRA

Seit seiner Gründung im Jahr 2001 widmet sich das Vokalensemble VOX NOSTRA unter der Leitung von Burkard Wehner praktisch und theoretisch der Vokalmusik des Mittelalters.

Mit dem obertonreichen und raumfüllenden Vokalklang reiner Intervalle entführen die Sänger und Sängerinnen ihr Publikum in archaische Klangwelten.

Einstimmige über 1000 Jahre alte Gregorianische Choräle, uralte Psalmen und die hypnotischen Gesänge der Hildegard von Bingen gehören ebenso zum Repertoire des Ensembles, wie die feinziselierten Motetten des 13. Jahrhunderts oder die berückende Mehrstimmigkeit der Pariser Magister Leonin und Perotin.

Der menschliche Atem ist das Zeitmaß für diese Musik, deren Zauber sich durch die reiche Verzierungskunst der Neumen und durch die schier unendlich scheinenden Melodiebögen entfaltet.

In liturgisch fundierten Konzertprogrammen wird die geistliche Musiktradition Europas erlebbar gemacht, indem die Sänger*innen im jeweiligen Kirchenraum wandelnd diesen singend erkunden und mit ihrem Gesang zum Klingen bringen.

Zu der musikwissenschaftlich fundierten Arbeitsweise von VOX NOSTRA gehören das Singen nach Neumen, Modal- und Mensural-Notationen ebenso, wie das sorgfältige Austarieren der reinen Intervalle früher Mehrstimmigkeit seit 1150.

Nähere Infos unter www.vox-nostra.com

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