das kleine Konzert - Traversflöten-Fantasien

Georg Philipp Telemann (1681-1767)

XII fantaisies à Travers sans Basse (1732, Hambourg)

Das neu-eröffnete Orchester (1713)

J. Mattheson (1681 - 1764)

 

A-Dur Fantasia 1

Vivace

(adagio-allegro, adagio-allegro, adagio, adagio-allegro, adagio-allegro, adagio, adagio)

Allegro

 

A-dur greifft sehr an / ob er gleich brillirt / und ist mehr zu klagenden und traurigen Passionen als zu divertissemens geneigt.

 

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a-moll Fantasia 2

Grave Vivace Adagio Allegro

 

a-moll ist etwas kla- gend / ehrbar und gelassen / it. zum Schlaff einladend; aber gar nicht unangenehm dabey.

 

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h-moll Fantasia 3

Largo Vivace Largo Vivace Allegro

 

h moll ist bizarre, unlustig und melancholisch.

 

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B-Dur Fantasia 4

Andante Allegro Presto

 

B-dur ist im Gegent- heil sehr divertissant und praechtig; behaelt dabey gerne etwas modestes / und kann demnach zugleich vor magnific und mignon passiren.

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C-Dur Fantasia 5

Presto Largo Presto Largo Allegro Allegro

 

C-dur hat eine ziem- lich rude und freche Eigenschafft / wird aber zu Rejouissancen, und wo man sonst der Freude ihren lauff laest / nicht ungeschickt seyn; dem ungeachtet kan ihn ein habiler Componist, wenn er insonderheit die ac- compagnirenden In- strumente wol choisiret / zu gar was charman- tes umtauffen / und fueglich auch in tendren Faellen anbrin- gen.

 

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d-moll Fantasia 6

Dolce Allegro Spirituoso

 

d-moll (Dorio) hat etwas devotes, ruhiges / dabey auch etwas grosses / angenehmes und zufriedenes; dan- nenhero derselbe in Kirchen-Sachen die Andacht / in communi vita aber die Gemueths- Ruhe zu befoerdern capable sey; wiewohl solches alles nichts hindert / daß man nicht auch was ergetzli- ches / doch nicht son- derlich huepfendes / sondern fliessendes mit Succes aus diesem Tohne setzen koenne.

 

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D-Dur Fantasia 7

Alla francese (Allegro) Presto

 

D-dur ist von Natur etwas scharff und eigensinnig; zum Lermen / lustigen / kriegerischen / und auffmunternden Sa- chen wol am allerbe- quemsten; doch wird zugleich niemand in Abrede seyn / daß nicht auch dieser harte Tohn / wenn zumahl an statt der Clarine eine Floete / und an statt der Paucke eine Violine dominiret / gar artige und frembde Anleitung zu delicaten Sachen ge- ben koenne.

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e-moll Fantasia 8

Largo Spirituoso Allegro

 

e-moll kan wol schwerlich was lustiges beygeleget werden / man mache es auch wie man wolle / weil er sehr pensif, tieffdenckend / betruebt und traurig zu machen pfleget / daß man sich noch dabey zu troesten hoffet. Etwas hurtiges mag wohl daraus gesetzet werden / aber das ist darum nicht gleich lustig.

 

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E-Dur Fantasia 9

Affetuoso Allegro Grave Vivace

 

E-dur drucket eine verzweiflungs-volle oder gantz toedliche Traurig- keit unvergleichlich wol aus; ist vor extrem- verliebten Huelff- und Hoffnungslosen Sachen am bequemsten / und hat bey gewissen Um- staenden so was Schnei- dendes / Scheidendes / leidendes und durch- dringendes / daß es mit nichts als einer fatalen Trennung Leibes und der Seelen verglichen werden mag.

 

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fis-moll Fantasia 10

A tempo giusto Presto Moderato

 

fis-moll: Ob er gleich zu einer grossen Be- truebniß leitet / ist dieselbe doch mehr languissant und ver- liebt als lethal; es hat sonst dieser Tohn etwas abandonirtes, singulie- res und misanthropi- sches an sich.

 

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G-Dur Fantasia 11

Allegro Adagio Vivace Allegro

 

G Dur hat viel insinuantes und redendes in sich; er brillirt dabei auch nicht wenig / und ist so wohl zu serieusen als munteren Dingen gar geschickt.

 

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g-moll Fantasia 12

Grave Allegro Grave Allegro Dolce Allegro Presto

 

g-moll ist fast der aller- schoenste Tohn / weil er nicht nur die [...] ziemli- che Ernsthafftigkeit mit einer muntern Lieblich- keit vermischet / son- dern eine ungemeine Anmuth und Gefaellig- keit mit sich fuehret / dadurch er so wol zu zaertlichen / als erquik- kenden / so wol zu seh- nenden als vergnuegten; mit kurtzen beydes zu maeßigen Klagen und temperirter Froeligkeit bequem und ueberaus flexible ist.

 

Sarah van Cornewal - Traversflöte

Sarah van Cornewal wurde auf Madagaskar geboren, verbrachte ihre Schulzeit in Frankreich und lebt seit 1994 in der Schweiz. Sie studierte Historische Traversflöte und Blockflöte an renommierten Musikhochschulen für alte Musik in der Schweiz (Schola Cantorum Basiliensis) und in Holland (Königliches Konservatorium Den Haag).
Kurz nachdem sie beim Telemannwettbewerb in Magdeburg einen Ensemblepreis erhielt, gewann sie 2007 den Traversflötenwettbewerb der National Flute Association in den USA.
Nachdem sie 2016 ein Masterstudium in Musikwissenschaft an der Université de Genève abgeschlossen hatte, bildet sie sich an der Musikhochschule Genf mit Renaissance-Kontrapunkt und Solmisation weiter.
Ihre rege Konzerttätigkeit als Solistin und mit Ensembles wie Il Cigno, Gli Angeli, Bach-Stiftung, dem Modena Consort, les Souspirs führte sie bereits durch Europa, nach Brasilien, Korea und Japan.
Sie hat bei verschiedenen CD-Einspielungen für K617, Alpha, Marecordings, Cornetto, Ambronay, Musique Suisse und Pan Classics mitgewirkt.
Neben der Konzerttätigkeit ist ein weiterer Schwerpunkt Sarah van Cornewals das Unterrichten ihrer beiden Hauptfachinstrumente von der Renaissance bis zur Romantik. Regelmässige Meisterkurse für Traversflöte ergänzen ihre Unterrichtstätigkeit am Conservatoire Populaire de Musique Danse et Théâtre in Genf, wo sie eine Klasse für Blockflöte, Traversflöte hat und die Fifre unterrichtet.

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